Gemeinsam Eltern sein nach einer Trennung / Scheidung

Geht das überhaupt?
Das gesprochene Wort hört sich einfacher an als es die praktische Umsetzung ist …

Nach einer Trennung/Scheidung erhalten Eltern die Empfehlung, von der Paarebene auf die Elternebene zu wechseln! All die emotional belasteten Themen ihrer Beziehungsdynamik sollen jetzt mal „außen vor“ gelassen werden … Was sie jetzt noch verbindet, das sind ihre Kinder und lediglich darauf sollen sie sich konzentrieren!

Von einer „kooperativen Elternschaft“ ist dann hier die Rede …

… das bedeutet, Eltern sollen nach einer Trennung/Scheidung eng zusammen „arbeiten“, die Kinder stehen im Zentrum ihrer gemeinsamen Überlegungen und ihres Handelns. Hier kümmern Eltern sich zusammen um alles Wichtige im Leben ihrer gemeinsamen Kinder und ermöglichen ihnen einen weitestgehend unbeschwerten Umgang mit beiden Elternteilen. Die Kinder können dann hinüber gleiten von einem Zuhause ins andere.

Kooperative Elternschaft – eigentlich eine logische Empfehlung

Aber kann man nach einer Trennung/Scheidung einfach von der Paarebene auf die Elternebene wechseln? Geht das als Entscheidung, die der Kopf trifft? Wo bleiben die Gefühle? Sei waren doch zum hohen Maß an der Entscheidung durch den Kopf beteiligt, als es um die Trennung ging …
Ist es möglich, nur an die Kinder zu denken und auch so zu handeln? Können Eltern immer gut kooperieren?

Eltern sind auch nur Menschen!

Die Gefühle während eines Trennungs-/Scheidungsprozesses zu ordnen und einen Umgang damit zu finden ist eine große Herausforderung für Eltern und braucht Zeit! Erfahrungen in der Beratungsarbeit zeigen, dass es zwei Jahre und länger dauert, bis alle Familienangehörigen nach einer Trennung wieder in ein ruhiges und zufrieden stellendes Leben gefunden haben. Eine lange Zeit mit vielen Turbulenzen muss von allen bewältigt werden und mitunter klappt es gar nicht, dass die Erwachsenen es schaffen, die Elternebene und die Paarebene zu trennen – leider! Emotionen kochen immer wieder über und das tut Kinder nicht gut!

„Parallele Elternschaft“ heißt das Zauberwort in diesen Zeiten

Dann, wenn es für Eltern immer wieder zu

  • emotionsgeladenen Auseinandersetzungen kommt …
  • wenn es ihnen nicht möglich ist, respektvoll miteinander umzugehen …
  • wenn sie gegenseitige Beschimpfungen und Beleidigungen nicht vermeiden können …
  • wenn sie Kinderthemen und Trennungsbewältigung nicht gut voneinander trennen können …
  • wenn sie ihre Kinder einsetzen, um selber Recht zu kriegen und sich durchzusetzen …

hilft es allen und besonders den Kindern, wenn die Eltern sich für eine parallele Elternschaft entscheiden. Hier werden einige Orientierung gebende Rahmenbedingungen geklärt und ansonsten haben die Eltern kaum oder keinen Kontakt – meist nur im Rahmen einer Beratungssituation.

Streit unter den Eltern ist der höchste Belastungsfaktor für Kinder in einer Trennungssituation!

Kinder lieben beide Eltern und es zerreißt sie förmlich, wenn sie in die Situation geraten, sich für einen Elternteil entscheiden zu müssen. Streit unter den Eltern löst einen enormen Druck bei ihnen aus, an den sie sich nicht gewöhnen können. Sie können sich aber gut daran gewöhnen, dass es bei Mama so läuft und bei Papa anders … Sie können sich auch gut daran gewöhnen, dass sie an neutralen Orten von einem zum anderen Elternteil wechseln, z.B. in der Kita oder Schule … Sie können sich auch gut daran gewöhnen, dass wichtige Dinge in ein Buch geschrieben werden und möglicher Streit damit vermieden werden kann und überhaupt sind Kinder sehr anpassungsfähig – Hauptsache kein Streit!

Die Zeit kann viel verändern …

Oft ist es so, dass Eltern sich viel besser in ihr neues Leben einfinden können, wenn sie den anderen Elternteil für eine Weile nicht mehr sehen. Ein Umgang für die Kinder kann geregelt werden und dann in der Form einer parallelen Elternschaft stattfinden. Oft ist es dann auch möglich, dass es nach einer Zeit der Distanz wieder eine Annäherung der Eltern geben kann. Langsam kann ein neuer Umgang miteinander entwickelt werden, der es ihnen dann möglich macht, wirklich auf der Elternebene im Kontakt zu sein. Kinder können sich dann auch daran gut gewöhnen – sie sind Meister im Kooperieren …

Manchmal gelingt das aber auch nicht und dann ist es für alle besser, im Rahmen einer parallelen Elternschaft für die Kinder eine sichere Umgangsform mit beiden Elternteilen zu regeln. Kinder lieben beide Eltern und wollen Kontakt zu ihnen haben, das dürfen Eltern nie vergessen!!!

Holen Sie sich Unterstützung in dieser schwierigen Zeit, wenn es darum geht, von der Paarebene auf die Elternebene zu wechseln … Aus meiner Erfahrung ist das nicht so einfach aber auch nicht unmöglich!
Familientherapie kann hier sehr hilfreich sein!

Elke Wardin
Systemische Familientherapeutin

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