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Patchworkfamilien sind außergwöhnliche Familien

Patchworkfamilien sind „anders“ …

„anders“ ist das Geflecht an Beziehungen, das sich neu zusammensetzen muss und wirkliche Beziehungen zueinander müssen sich erst langsam entwickeln:
Es gibt zwei Erwachsene, die sich ineinander verliebt haben und es gibt neben ihnen an erster Stelle ihre Kinder und dann auch noch viele andere Personen, die auf der Grundlage dieser neuen Liebe, ihre Beziehungen zueinander neu gestalten müssen. Anders als in sogenannten „Ursprungsfamilien“ sind diese Beziehungen nicht langsam und stetig gewachsen, sondern sie müssen sich erst finden und dazu braucht es Zeit!

Es gbit zunächst keine Selbstverständlichkeiten

Der Umgang miteinander sowie die Verteilung von Aufgaben und die Gestaltung der Zeit müssen neu geformt und geregelt werden. Hier gibt es kein richtig oder falsch und kein gut oder schlecht – es geht vielmehr darum, Kompromisse zu finden, die den einzelnen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen der Beteiligten möglichst gerecht werden.

Es gibt einige Regeln, die Orientierung geben

  • Kinder wünschen sich eine gute Beziehung zu ihren leiblichen Eltern – zu beiden Elternteilen. Somit ist die Rolle der Eltern schon besetzt und dies sollte respektiert werden. Es hilft Kindern sehr, wenn der andere Elternteil geachtet und in ihr Leben möglichst einbezogen wird, d.h. es wird wertschätzend über ihn gesprochen und manchmal ist auch noch mehr zusammen möglich: gemeinsame Treffen an Festen …
    Für Kinder ist ein offener und wertschätzender Umgang mit dem anderen leiblichen Elternteil sehr wichtig, dies erhöht ihre Bereitschaft, sich auf einen neuen Menschen = den Stiefelternteil einzulassen.
  • Stiefelternteile kommen neu dazu und bauen mit den Kindern eine ganz eigene und individuelle Beziehung auf, die möglichst darauf gründen sollte, was ihnen zusammen gefällt. Es hilft sehr, wenn sie sich dabei viel Zeit lassen, ausprobieren und ganz langsam vorgehen …
    Bedenken Sie: Sie wollen zusammen leben und dafür ist es wichtig, dass die Beziehungen zueinander zufriedenstellend und tragfähig sind und nicht, dass es schnell geht!
  • So machen Kinder die Erfahrung, dass sie ihre leiblichen Eltern behalten und ebenfalls eine gute Beziehung zu dem Stiefelternteil aufbauen können.
  • In Patchworkfamilien sollte es viel Platz für Gefühle geben, die mit Verlust, Trauer, Schmerz und Angst zu tun haben! Diese Gefühle werden immer wieder da sein, denn immer da, wo eine Familie sich neu zusammensetzt, ging irgendwann und irgendwie eine alte Form auseinander …
    Gefühle, die entstehen brauchen Beachtung und Wertschätzung. Gefühle sind ersteinmal immer richtig und haben mit dem jeweiligen Menschen zu tun – sie müssen verarbeitet werden und keinesfalls verdrängt!
  • Das Leben in einer Patchworkfamilie braucht eigene Rituale, damit alle Familienmitglieder eine Orientierung haben und wissen, woran sie sich halten sollen. Es ist eine spannende Herausforderung und gleichzeitig kann es viel Spass machen, Ideen für den Ablauf der neuen Familie zu entwickeln = wer hat welche Aufgaben, wie funktioniert bei uns der Haushalt, wie verbringen wir unsere Freizeit …
    Da, wo Orientierung ist, gibt es eine Grundlage für ein zufriedenes Miteinander …

Das gilt es zu finden = ein möglichst zufriedenes Miteinander und nicht die Kopie einer bestimmten Familienvorstellung!

Patchworkfamilien sind „anders“ …

… darüber sollten sie sich bewußt sein!
Wenn Eltern eine Patchworkfamilie gründen, haben sie sich viel vorgenommen. Anders als in langsam gewachsenen Familienstrukturen müssen sich die zufriedenstellenden Beziehungen zueinander und die Regeln miteinander erst langsam entwickeln – dazu brauchen alle viel Zeit und Geduld …
… und oftmals auch Unterstützung – Familientherapie kann hier sehr hilfreich sein!

 

Elke Wardin
Systemische Familientherapeutin

 

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