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Was Sie als Eltern tun können …

Trennung oder Scheidung ist ein schmerzlicher Schritt für Sie und für Ihren Partner, aber auch eine Lebenskrise für Ihre Kinder. In einer der heißen Phasen der Trennung oder Scheidung verlieren daher fast alle Eltern ihre Kinder leicht aus dem Blick.
Für ein Kind, das Trennung oder Scheidung erlebt, zerbricht seine bisher vertraute Welt. Kinder verstehen oft nicht, warum ihre Eltern sich nicht mehr verstehen oder einander nicht mehr lieb haben. Sie sind zutiefst verunsichert: so als werde ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen.

Sie als Eltern können ihren Kindern helfen, die Krise von Trennung und Scheidung besser zu verarbeiten!
Sie können viel dazu tun, dass Ihre Kinder keine lang anhaltenden seelischen Beeinträchtigungen entwickeln. Wenn Sie als Eltern bei und nach der Trennung respektvoll miteinander und achtsam mit den Kindern umgehen, schaffen Sie eine gute Grundlage dafür, dass Ihre Kinder diese Krise möglichst gut bewältigen können.

Geben Sie Ihren Kindern Informationen

  • Geben Sie Ihren Kindern möglichst viele Informationen gemeinsam.
  • Überlegen Sie vorher, was Sie wie, wo und wann sagen wollen.
  • Seien Sie vorbereitet, Fragen konkret und kurz zu beantworten.
  • Lassen Sie alle Fragen zu, auch wenn Sie noch keine Antwort wissen.
  • Reden Sie altersentsprechend so offen und ehrlich wie möglich mit Ihren Kindern über Streit, Trennung, Scheidung.
  • Sagen Sie Ihren Kindern, dass Sie als Eltern die Verantwortung für die Trennung haben.
  • Sagen Sie Ihren Kindern, dass Sie als Mutter und Vater weiterhin für jedes Kind da sind.

Geben Sie Ihren Kindern Zeit und Be-Achtung

  • Übergehen oder überhören Sie die Fragen Ihres Kindes nicht.
  • Achten Sie sensibel darauf, ob Ihr Kind sich dauerhaft zurückzieht oder isoliert.
  • Wenn lhr Kind keinen Schmerz, keine Trauer zeigt – denken Sie nicht, alles ist in Ordnung.
  • Versprechen oder verabreden Sie nur was Sie auch wirklich einhalten können.
  • Machen Sie keine falschen Hoffnungen, dass Vater und Mutter wieder zusammen kommen könnten.
  • Muten Sie Ihren Kindern nie zu, gegen den anderen Elternteil — den eigenen Vater, die eigene Mutter — Stellung zu beziehen, Schlechtes zu sagen oder zu hören.
  • Zeigen Sie sich als verlässlichen Partner für Ihr Kind. Halten Sie Versprechen und Verabredungen verbindlich ein.

Geben Sie Ihren Kindern Sicherheit

Bei Trennung oder Scheidung ihrer Familie haben Kinder und Jugendliche oft das Gefühl:
„Die wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben geschehen ohne mich. Da kann ich nichts machen. Ich habe jede Kontrolle über mein Leben verloren.“ Darum:

  • Beziehen Sie die Bedürfnisse Ihrer Kinder in Ihre Entscheidungen mit ein. Stellen Sie auch klar, dass Entscheidungen auf Elternebene durch Sie getroffen werden.
  • Fordern Sie Ihre Verwandten und Bekannten auf, mit Ihren Kindern in Kontakt zu bleiben.  Das gibt Ihren Kindern Sicherheit.
  • Geben Sie Ihren Kindern soviel verlässliche Informationen über ihr zukünftiges Leben wie möglich.
  • Ermutigen Sie Ihre Kinder, Fragen zu stellen.
  • Gestatten Sie ihnen auch, Ärger, Wut oder auch Traurigkeit zu zeigen.
  • Ermutigen Sie Ihre Kinder oder Jugendlichen, mit anderen zu reden.
  • Erklären Sie so genau wie möglich, was Sie von Ihrem Kind in einer neuen Situation erwarten. Aber fragen Sie es auch, was es sich von Ihnen wünscht.
  • Fördern Sie konstruktive Aktivitäten Ihrer Kinder.
  • Vertrauen Sie auf die Kooperationsbereitschaft Ihrer Kinder: „Wir sind alle in einer schwierigen und neuen Situation, auch wir
  • Eltern wissen nicht immer sofort, was zu tun ist. Dann suchen wir uns alle die Hilfe, die wir benötigen.“
  • Unterstützen Sie Ihre Kinder bei neuen Aktivitäten außerhalb der Familie.
  • Geben Sie Ihren Kindern Bücher über Trennung und Zweite Familien und sprechen Sie gemeinsam über die Literatur.

Sie helfen Ihren Kindern dagegen nicht

  • wenn Sie Ihr Kind auf irgendeine Weise für die Trennung oder die Scheidung verantwortlich machen.
  • wenn Sie Ihr Kind gegen den eigenen Vater oder die eigene Mutter einnehmen.
  • wenn Sie Ihr Kind zwingen, zwischen Vater und Mutter zu wählen. Mutter und Vater sind Teil Ihres Kindes: Sie zwingen Ihr Kind, sich gegen sich selbst zu entscheiden!
  • wenn Sie Fragen ihrer Kinder übergehen oder ignorieren.
  • wenn Sie jemand anderes beauftragen, dem Kind die Trennung oder Scheidung mitzuteilen.
  • wenn Sie lange Erklärungen abgeben und dadurch Verwirrung verbreiten.

Zum guten Schluss — noch etwas sehr Wichtiges:

Eltern sind auch Menschen, die sich erst einmal selbst Gutes tun dürfen.
Sich Unterstützung zu holen, kann vieles vereinfachen.

  • Holen Sie sich Hilfe.
    (Bei hohem Fieber oder Zahnschmerzen Ihrer Kinder gehen Sie ja auch zum Arzt….)
  • Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen selbst auch gut geht.  Nur wer sich um sich selber kümmert, kann auch gut für Kinder sorgen.
  • Wenn Sie sich alleine überfordert fühlen oder nicht mehr weiter wissen, holen Sie sich möglichst frühzeitig Unterstützung bei Freunden und Verwandten oder Rat in einer Beratungsstelle.

Elke Wardin
Systemische Familientherapeutin

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